Never Kiss a Customer

Meine lieben Weihnachtswichtelinnen und Weihnachtswichtel

Munter geht es weiter Richtung Weihnachten und endlich liegt auch Schnee in den Bergen. Ich freue mich riesig auf ein paar erholsame Tage, fernab von der Hektik hier in der Stadt und zudem hoffe ich, auch ihr habt schönes vor!

Wie versprochen, oder angedroht, je nachdem wie du das als Leser auffasst, hier mein Beitrag zu einem Thema, das ganz gut in den Dezember passt. Auch wenn es in meinen eher ernsthaften Beiträgen, immer etwas ruhiger wird im Kommentarwald, so möchte ich trotzdem ein paar Zeilen zu Gefühlen und Escort-Begleitung schreiben.

Gerade diese Woche hat mich wieder eine Anfrage eines Herren erreicht, die in etwas so lautete (bitte die “Ich’s” mitzählen):

Hallo Jasmina,
Ich bin Kurt und 53 Jahre alt und du gefällst mir sehr.
Ich bin gerne in der Natur und sehr nett.
Ich suche eine Frau fürs Leben und auch für Sex.
Wenn du Interesse hast, ruf mich doch auf TELEFONNUMMER an.
Ich wohne in STADT.
Bis hoffentlich bald!!!!
Kurt

Ich mag jetzt nicht darüber herziehen, aber um ehrlich zu sein, ich finde dies unterste Schublade. Da knallt mir ein Mann seine Einsamkeit vor die Füße, ohne sich auch nur im Geringsten darum zu kümmern, was seine Botschaft bei mir als Empfängerin bewirken könnte.
Haben mich zu Anfang meiner Karriere solche Anfragen noch betroffen gemacht, so sind sie mir heute eher gleichgültig. Genau so wie damals schwermütige Geständnisse während Dates. In der Regel habe ich diese Grenzüberschreitung deutlich erwähnt und bin im Zweifelsfall auch keine weiteren Dates mehr eingegangen mit dem entsprechenden Herrn.

Das hat aus meiner Sicht wenig mit Gefühlskälte zu tun, obwohl einem dies natürlich postwendend vorgeworfen wird. Aber es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass man sich als Escort, mit sehr vielen Männern trifft und wenn nur ein kleiner Prozentsatz an Männern versucht, mehr zu bekommen als eine erotische Auszeit, so ist die Escort ständig damit beschäftigt sich zu argumentieren. Also lieber gleich klare Worte! Sicher kann man sich auch bei einem Escort-Date etwas näherkommen und diese Nähe auch zusammen geniessen. Vor allem bei längeren Dates fand ich das immer schön, wenn es sich natürlich anfühlte und ich auch einmal an meinen Begleiter geschmiegt, den Speisesaal eines schönen Wellnesshotels betreten konnte. Aber nur so lange wie ich auch das Gefühl hatte, dass wir beide ein Spiel auf Zeit spielen und nicht mehr. Alles andere war und ist für mich ein absolutes Tabuthema. Darüber habe ich ja bereits geschrieben.

Leider muss ich aber aus Erfahrung sagen, dass nicht alle Begleiterinnen so resistent gegen die Gefühle eines Mannes sind wie ich. Damit will ich nicht sagen, dass andere Frauen schwächer sind als ich, aber es ist auch nicht so, dass sich jede Escort intensiv mit dem Thema dieses Berufs auseinandersetzt und klare Grenzen für sich aufzeichnet. Ganz im Gegenteil, ich musste schon ein paar Mal erleben, dass die Erkenntnis zu spät einsetzte, dass Frau manipuliert wurde. Im Endeffekt sind wir alle Menschen und die Tabuisierung in der Gesellschaft des Berufs der Escort-Begleiterin, führt leider dazu, dass viele Begleiterinnen zuerst lernen müssen damit umzugehen. So ist es also verständlich, dass das Escort-Dasein Phasen durchläuft, in denen sich Frau einsam fühlt und sich ab und zu nach Nähe sehnt.
Und genau in diesen intimen und schutzlosen Phasen, sind Avancen von Männern die über das eigentlich Date hinausgehen eine trügerische Sache. Leider habe ich die Konsequenzen schon miterleben müssen, welche Escort-Begleiterinnen erleiden mussten, als sie auf ständiges Bitten und Drängen nach mehr als den bezahlten Dates, eingegangen sind und sich auch privat mit Männern trafen.

Bitte, ich will hier niemanden anprangern, aber meistens steckte seitens des Mannes dann doch eher kalte Berechnung dahinter und keine heißen Gefühle. Denn sobald er bekam was er wollte und die Dame langweilig wurde, wurde sie auch wieder Fallen gelassen. Wenn ihr mir nun eines glauben könnt, meine lieben Leserinnen und Leser, dann dies: Dieser Fall ist für eine Frau, die als Escort arbeitet tief! Nach langem Zögern und Abwarten öffnet sie sich einem Kunden und nun wird ihr schlagartig klar, dass das Werben um sie nur einem Zweck diente: Kostenloser Sex. Besonders schlimm finde ich, dass in den Fällen, die ich miterleben musste, diese Frauen viel an Selbstsicherheit einbüßten und somit oft noch empfänglicher wurden für solche Spiele. Sie suchten den Trost beim nächsten Mann und wie geschrieben, im Escort Geschäft lernt Frau viele Männer kennen.

Habe ich damals als Agenturleiterin festgestellt, dass eine meiner Escort Gefahr läuft, sich zu verstricken, bin ich in der Regel entschieden dagegen vorgegangen und habe sowohl die Begleiterin und wenn es sein musste auch den Kunden direkt darauf angesprochen. Ab und zu konnte ich vermitteln, oftmals aber auch nicht und dann half es nur noch den betroffenen Frauen zur Seite zu stehen und ihnen eine gute Freundin zu sein. Deshalb habe ich tief in meinem Inneren wohl doch noch eine unterschwellige Wut auf Männer, die gegenüber einer Escort Begleiterin so unüberlegte Avancen machen. Nun merke ich auch, dass es mit meiner Gleichgültigkeit doch nicht so weit her ist wie gedacht…

Ich möchte aber offen sein, als Agenturleiterin hatte ich auch ein einziges Mal den Fall, dass ich an einer Hochzeit zwischen einem der Mädels und einem Kunden teilnehmen durfte. Die beiden sind heute noch glücklich zusammen und haben alle Hände voll zu tun, ihren Nachwuchs großzuziehen. Ein solches Happy End ist aber sehr selten und deshalb haben die damaligen Mädels und ich für unsere Agentur eine 10 Gebote Tafel erstellt. Gebot Nummer drei lautete:

«Never Kiss a Customer!»

Wie ihr euch sicher denken könnt, ging es dabei nicht um das physische Küssen, sondern um das was man einem Kuss aus romantischem Blickwinkel nachsagt. Damit verbunden je einen Ratschlag für Begleiterinnen und Begleiter:

Für Ihn: Bevor du einer Begleiterin deine «Liebe» gestehst, triff sie 1 Jahr lang regelmäßig unter Einhaltung der finanziellen Konditionen. Dann lade sie 2 Wochen in den Urlaub ein und verhandle nicht über ihre Tagessätze. Wenn du Ende Urlaub immer noch das Gefühl hast, dass sie die Richtige ist, dann frag sie ob sie vielleicht einmal mit dir ins Kino gehen mag.

Für Sie: Geniess den Urlaub und schreib mir danach was für einen Film ihr euch angesehen habt 😉

Meine lieben Leserinnen und Leser, ich möchte ein versöhnliches Ende finden in diesem Beitrag. Escort-Begleitung ist ein vielschichtiges Business, auch aus emotionaler Sicht. Ihr werdet selbst merken, wenn an den Avancen eines Kunden, oder ja, auch das gibt es, einer Begleiterin, etwas dran ist. Seid einfach vorsichtig und lasst euch Zeit. Wie entwickeln sich die Dates? Finden kleine Geschenke ihren Weg in die Auszeit, trefft ihr euch vielleicht auch einmal kostenbasiert und geht zusammen «nur» an ein Konzert, schreibt ihr euch vielleicht dazwischen, erzählt ihr euch mehr übereinander und löst so die Anonymität auf? Und ja klar, wie entwickelt sich der Sex zwischen euch? 😉

Ich hoffe das Thema war für euch verdaubar und hat euch nicht den Appetit auf die Weihnachtsplätzchen verdorben. Wie ihr sicher merkt, ist es aber ein Thema, das mir am Herzen liegt. Ja sicher gibt es auch den umgekehrten Fall, dass die Begleiterin einen Kunden ausnutzt. Dies habe ich so jedoch in meinem Umfeld nie direkt erlebt, aber vielleicht äußert sich ja jemand in einem Kommentar dazu. Ich fände es gut, denn so hätten wir beide Seiten beleuchtet.

So genug für heute, ich will gleich noch «Totebeili» backen. Ist schweizerdeutsch und heisst so viel wie «Totenbeine». Klingt makaber, ist jedoch das beste Gebäck mit Haselnüssen das mir je serviert wurde. Dies zu den positiven Seiten des Escort-Lebens 😊

Kiss,
Jasmina

PS. Rezept gibt es auf Anfrage!

2 Gedanken zu “Never Kiss a Customer

  1. Herzkoma 12. Dezember 2018 / 03:58

    Habt ihr keine normale Berufe, nichts gelernt oder studiert, das interessant ist und Freude bringt? Könnt ihr eure Männer nicht auf „normalem“ Wege kennen lernen, beim Sport etwa oder im Verein? Für Zwischenmenschliches Geld nehmen ist immer Prostitution und zeugt von schlechtem Charakter. Allein schon Geld dafür nehmen .. Würd ich nie machen. Igitt ..

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  2. jasminaindependent 12. Dezember 2018 / 13:55

    Du scheinst eine eher romantische Einstellung zum Thema Erotik und Sinnlichkeit zu haben und auch deine Meinung zum Thema scheint vorgefasste. Es macht wohl wenig Sinn mit dir eine Diskussion zum Thema zu führen. Deshalb beschränke ich mich auf die Beantwortung deiner Fragen.

    Doch wir haben in der Regel «normale» Berufe gelernt. Wobei ich im Gegensatz zu dir, den Beruf der professionellen Begleiterin, auch als «normalen» Beruf bezeichnen würde. Von der normalen Verkäuferin, bis zur normalen Juraprofessorin, sind mir schon alle Berufe begegnet und wir haben in aller Regel auch ein intaktes soziales Umfeld. Selbstredend machen wir auch Sport, zumindest einige von uns, was mich gleich zum nächsten Punkt bringt.

    Spannend finde ich nämlich, dass du von «ihr» im kollektiv sprichst. Du scheinst uns Escort Begleiterinnen nicht als individuelle Persönlichkeiten wahrzunehmen, sondern als Sinnbild für etwas. Was mich etwas verwundert, da du ansonsten in deinen Beiträgen sehr auf den Menschen als Individuum eingehst.

    Recht geben muss ich dir, dass es als professionelle Begleiterin schwierig ist, eine Beziehung zu führen. Hier machst du aus meiner Sicht jedoch einen Denkfehler. «Wir» haben den Beruf der professionellen Begleiterin nicht gewählt, um einen Partner kennenzulernen, sondern uns geht es um eine Dienstleistung die wir gegen Entgelt anbieten. Diese Dienstleistung hat nichts mit Zwischenmenschlichkeit zu tun, sondern mit Erotik, was per Definition nur bedingt gleichzulegen ist.

    Wie in jedem anderen Beruf aber auch, kann es dazu kommen, dass man sich bei der Arbeit zu jemandem hingezogen fühlt. Nur sind die Folgen daraus in der Regel für die professionelle Begleiterin schwerwiegender, als für eine Sportartikelverkäuferin. Wir agieren einfach näher an der Grenze der Zwischenmenschlichkeit als die Sportartikelverkäuferin. Deshalb rate ich in meinem Beitrag ja so sehr dazu, diese Grenze niemals zu überschreiten.

    Worüber ich nur den Kopf schütteln kann, ist deine pauschale Definition von schlechtem Charakter. Wenn man deine Beiträge liest, attestiert man dir ein wesentlich offeneres Weltbild. Nun scheint es aber dann doch deutliche Grenzen zu haben, wenn es zum Thema Sexualität kommt. Darauf deutet auch deine negative Interpretation des Begriffs Prostitution hin. Ich glaube, du hast dich nie mit dem Begriff auseinandergesetzt, sondern eine vorgefasste gesellschaftlich Plakativmeinung übernommen.
    Was mich ehrlich gesagt verwundert, denn du willst in deinem Blog den Eindruck erwecken, als seist du des Lateinischen mächtig. Deshalb kurz zur Erläuterung: Im Ursprung bedeutet der Begriff Prostitution in etwa so viel wie «etwas zur Schau stellen». Er leitet sich aus den lateinischen Worten «pro statuere» ab und wurde erst durch Menschen wie dich, Umgangssprachlich negativ geprägt. Und dazu sage ich Igitt!

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