Bestraf mich!

So langsam rollte die Weihnachtswelle auf uns zu und ich schwanke zwischen Vorfreude und dem Anprangern von Kitsch und Kommerz. Zumindest bei mir gibt es keinen Schalter, den ich einfach umlegen kann und zack bin ich besinnlich. Trotzdem freue ich mich auf die bevorstehende Zeit und darauf, dass die Geschehnisse für ein paar Tage ein klein wenig an Tempo verlieren und die Sicht auf die Welt, etwas verzeihender wird. Früher war das eine Zeit, in der ich als Escort nicht immer gerne gearbeitet habe, respektive zwischen Weihnachten und Neujahr überhaupt nicht. Trotz lukrativer Angebote wollte ich das nicht, denn ich wollte die Zeit mit denjenigen Verbringen, die mir auch im „realen“ Leben am Herzen lagen. Es war und ist für mich immer eine Zeit, um mich emotional auszuruhen und da passt pay sex einfach nicht wirklich dazu.

Aber auch, weil sich in dieser Zeit doch einige Kunden mehr nach Zweisamkeit und Besinnlichkeit sehnten, als nach einem Escort-Date und dem wich ich ehrlich gesagt immer aus. Ihr mögt mich jetzt als kalt abtun, aber ich konnte mit dieser Melancholie der Einsamkeit gewisser Männer, immer schlecht umgehen und wollte mir mein Weihnachten dadurch nicht vermiesen lassen. Sex und Besinnlichkeit haben einfach nur bedingt miteinander zu tun und obwohl abgedroschen, geht es doch an Weihnachten um andere Faktoren als um körperliche Nähe. Oder wie seht ihr das? Oder findet ihr es okay, seine bedrückte Gefühlswelt vor Weihnachten an wildfremde Menschen zu tragen?

Trotzdem war die Adventszeit damals für mich als Escort auch immer eine sehr spannende und lehrreiche Zeit. Denn sie brachte die ganze Palette an menschlichem Sein und Empfinden, in komprimierter Form mit sich. Von netten Begegnungen in der Vorweihnachtszeit, über den Wunsch nach rot-weisser Wäsche, zum Bedürfnis nach Bestrafung, bis hin zu Männern die gegen Ende Jahr überborden und traurigen Geschichten wie den Einsamen, welche so versuchen etwas Zweisamkeit zu Leben.
Ein paar dieser Eindrücke möchte ich hier gerne mit euch teilen und auch wenn es nicht 24 Geschichten sind die hinter 24 Türchen stecken, so sind es doch ein paar Eindrücke aus meiner damaligen Zeit als Vorweihnachts-Escort und vielleicht ergänzt ihr meinen Blog um ein paar eurer Erlebnisse aus der Adventszeit.

Auch wenn mein Blick auf Weihnachten etwas verklärt ist, dann gibt es einen, der in der Adventszeit ziemlich aufgeklärt sein muss. Der Nikolaus hat bekanntlich im Dezember als erstes seinen Einsatz und hält uns den Spiegel vor. Wer Gutes getan hat unter dem Jahr wird belohnt, wer nicht, der wird bestraft. Ob der gute Nikolaus weiss, dass er in Konkurrenz mit der einen oder anderen Escort-Dame steht, weiss ich nicht, aber ich weiss, dass dieser Wunsch nach der Rute auch an die eine oder andere Escort-Dame herangetragen wird. So auch an mich, dies habe ich euch ja bereits geschrieben.

Oh nein, das wird jetzt kein SM Beitrag, da liegt ihr falsch, aber auch Jasmina kann die Rute schwingen, wenn auch nicht so gekonnte wie der Nikolaus, aber trotzdem so, dass es wohl genügt mich mit diesem Wunsch nur einmal pro Jahr zu behelligen:-)
verzeiht mir bitte, wenn ich mich jetzt hinter der Tastatur kaum noch halten kann vor Lachen. Aber ich habe mich einmal im Spiegel beobachtet, wie ich aushole und die Rute auf die nackte Tatsache niedersausen lasse. Ich kann euch sagen, das sah ziemlich komisch aus, wie ich zierliches Persönchen mit mangelnder Begeisterung, rote Striemen auf das Hinterteil eines Mannes gezeichnet habe, der mindestens doppelt so schwer war wie ich und mir dabei immer und immer wieder gedankt hat für die Bestrafung.
Ach! Und weil es gerade so komisch ist, habt ihr euch schon einmal überlegt wie Frau so etwas anstellen soll in einem Hotelzimmer? Ne wahrscheinlich nicht, aber es fängt schon damit an, wie sich der Mann positionieren soll. Nun bei meinem ersten Mal als Nikoletta, wussten wir es beide nicht und das hat uns dann auch promot eine Stehlampe gekostet. Tja so eine Peitsche holte gegen hinten gleich viel aus wie sie vorne zuschlägt und Schwupps lag die Stehlampe in Scherben am Boden.
Also musste eine neue Position her, welche aber dazu führte, dass ich kaum noch zielen konnte, worin ich im Übrigen eh keine Übung hatte. Also traf ich vom Kissen bis zu den Beinen des Mannes alles, nur nicht sein Hinterteil. Irgendwann fanden wir dann eine Position über einen Stuhl gelehnt, welche sich aus technischer Sicht gut eignete, nur kriegte ich davon einen Lachkrampf, welchen ich als Husten tarnen musst. Bitte meine lieben Männer, reckt NIEMALS gebückt einer Frau euer Hinterteil entgegen und ich meine wirklich niemals. Denn das Gesamtkunstwerk sieht ein bisschen so aus wie ein stoßzahnloser Elefant mit Pausbacken und zu kurzem Rüssel. Es sieht so urkomisch aus, dass euch die verschluckten Lacher echt ans Ego gehen können.
Wie auch immer, nachdem wir endlich ein Optimum zwischen Freiraum, Zugänglichkeit und Ästhetik gefunden hatten, konnte die Bestrafung dann auch losgehen.

Aber kommen wir zurück zum eigentlichen ernst der Tatsache. Mir war das davor nicht bewusst, dass diese Art der symbolischen Bestrafung genau das war, was diese Männer wollten. Sie wollten Ballast abwerfen, den sie auf sich genommen hatten und mit dem sie innerlich kämpften. Trotz meiner ursprünglichen Abneigung gegen die Rute, war es im Endeffekt doch auch oft berührend, zu hören was diese gestandenen Männer innerlich zerfraß. Sei es der Topmanager, der Druck auf sein Team ausübt, um voranzukommen, er aber selbst schlecht damit umgehen konnte, Menschen unter Druck zu setzen. Oder der Banker, der Geld verspekuliert hat und nicht damit umgehen kann, dass dies den einen oder anderen Kunden von ihm hart traf. Oder ganz einfach der Ehemann, der Busse tun wollte, dafür dass er fremdging. So komisch sich das vielleicht für dich meine liebe Leserin und mein lieber Leser anhört, für diese Männer war es befreiend und genau das, was sie wollten. Bei vielen dieser Dates war die symbolische Bestrafung dann auch der einzige Inhalt der gemeinsamen Zeit und ich bin heute fest davon überzeugt, dass mein zierliches Aussehen und meine vermeintliche Wehrlosigkeit zusätzlich ausschlaggebend waren, dass sich ein Mann an mich wandte mit dem Wunsch nach Bestrafung. Denn dadurch wurde die Symbolik nur noch zusätzlich bestärkt.

Ich weiss nicht wie ihr dazu steht und was ihr davon hält, aber ich habe durch solche Dates sehr viel über Menschen und ihre inneren Zwänge gelernt, was mir auch half meine Kunden besser zu lesen und so intensiver auf sie einzugehen. Denn es gab auch in der Adventszeit genügend Begegnungen mit Männern, die einfach etwas Entschleunigung suchten und bis vielleicht auf den vermehrten Wunsch nach roter Wäsche, unterschieden sich diese Dates wenig von anderen Jahreszeiten. Perfekt waren die Dates in der Adventszeit für mich immer dann, wenn sie frei von Emotionalität waren und einfach das waren, was sie waren: Eine erotische Auszeit zwischen Punsch, Plätzchen, Geschenke-Einkauf und Jahresendspurt.

Auch in meinem nächsten Blog möchte ich ernst bleiben und mich den Männern widmen, die Grenzen überschreiten. Den gerade in dieser Zeit der Vorweihnachtsstimmung finde ich es besonders mies, wenn man mit den Gefühlen von anderen spielt oder sich rücksichtslos durchsetzen will.
Der letzte Blog bevor ich dann selber in den wohlverdienten Urlaub gehe, soll dann versöhnlich enden und euch zum Abschluss des Jahres zum Lachen bringen. Denn wie könnte es anders sein, ich möchte euch die best off aus meinem ersten Jahr als Startup-Gründerin servieren.

Kiss,
Jasmina

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