Zwischen den Welten

img223.jpgAuch wenn ihr manchmal denkt, dass ich immer über die Männer meckere, so ist das ganz und gar nicht so. Meine Dates habe ich größtenteils sehr genossen, aber eben nicht immer. Wenn ich also einmal kritisch bin, dann einfach weil ich mir hier auch etwas Luft verschaffe. Denn so einfach ist es nicht als Escort, trotz all der Gentleman die ich in den 10 Jahren kennengelernt habe.

Ach, um dies auch gleich zu sagen, denn es erreichen mich viele Fragen diesbezüglich. Nein ich war nicht 10 Jahre lang ausschließlich als Escort tätig. Es war immer so, dass ich ganz normal gejobbt habe und nur nebenher als Escort tätig war. Ich war lange Zeit die ganz normale bidere Assistentin eines Vorstandsmitglieds und habe eigentlich auch ganz gut verdient dabei. Nur ist es halt ein Beruf, in dem Frau im Hintergrund arbeitet und das wollte ich auf Dauer nicht. So habe irgendwann die Chance beim Schopf gepackt und den Job an den Nagel gehängt. Ich habe dann zuerst als Fahrerin und Koordinatorin in einer Escort Agentur gearbeitet und nach einigen Jahren die Agentur geleitet. Nur hat mir eben der Teil, selber als Escort zu arbeiten, auch sehr gefallen und ja, er war auch sehr lukrativ.

Diese neue Freiheit im Beruf war genau das was ich wollte. Was  mich einzig störte und noch immer stört, ist dass ich als Escort und Agenturleiterin immer ein Doppelleben führen musste. Ich war beruflich erfolgreich, zahlte brav meine – viel zu hohen 😉 – Steuern und investierte in meinen Auftritt, sowie in Escort Damen, von denen ich überzeugt war, dass sie potential haben. Nur, mit wem spricht Frau darüber? Richtig, mit niemandem außerhalb der Agentur. Kaum jemand hätte dies wohl verstanden. Oder könnt ihr euch vorstellen, dass die nette Nachbarin begeistert nickt, wenn ich ihr zwischen zwei Plätzchen und Jasmintee erzählt hätte, dass ich Escort bin.
Obwohl sich zwei Menschen bewusst für diese Art der Begegnung entscheiden und die Zeit zusammen sehr oft intensiv und wertschätzend ist, ist leider käufliche Liebe immer noch ein absolutes Tabuthema in der Gesellschaft. Dabei wurde ich im privaten Leben kaum je so verführt wie ich als Escort verführt und begehrt wurde.

Spannend waren immer Momente in denen das Thema Escort im Freundeskreis aufkam. Ich musste mich dabei oft zusammen nehmen um noch lauthals loszulachen, wenn es zum Thema kam, wie kann man nur mit wildfremden Männern schlafen? Ich dachte mir dabei immer, wie kann man nur mit Männern schlafen, die sich wünschen mit wildfremden Frauen zu schlafen. Ich fand diese Diskussionen damals immer so prüde und trotzdem konnte ich meine innere Einstellung nicht in die Diskussion einbringen. Was ich aber gerne versuchte, war  die Diskussion so zu lenken, dass sie zur Grundsatzfrage kam. Dies lautet nämlich aus meiner Sicht: “Warum ist das Thema Escort so stark auf die Frau fixiert?”

Ich gebe zu, dass ich mich gerne zurecht mache, aber einfach aus dem Grund weil es mir so gefällt. Ich habe einen hohen Anspruch an mich selber und bin einfach der Meinung, dass man anständig angezogen das Haus verlässt. Ich bin also immer der Situation entsprechend gekleidet, achte jedoch sehr auf understatement. Aber am Sonntag in Sofa Klamotten an einem Fussballturnier stehen, in welchem mein Neffe spielt, ist einfach ein no go für mich. Stil hat man oder eben nicht (ja meine lieben Schweizer Leser, ich höre gerne Bligg). Sprich, ich hatte und habe immer ein ganz normales Privatleben, auch wenn ich nie damit geglänzt habe, mich in Zurückhaltung zu üben. So nahm ich doch immer wieder war, dass über mich getuschelt wurde: “ Hast du die gesehen?” oder “Mein Mann könnte damit ja gar nichts anfangen!”

Nun ich wusste es besser. Die Männer können genau damit etwas anfangen. Nicht mit mir als Person, aber mit einer Frau die entsprechend gekleidet an einem Sonntag am Fußballfeld steht und die Kids anfeuert. Bitte meine lieben Leser, versteht mich nicht falsch. Aber das war meine Dilemma als Escort, ich kannte beide Welten und konnte diese auch übereinander legen. Aber es wäre mir doch nie in den Sinn gekommen, an einem Fussballspiel Visitenkarten an die Männer zu verteilen. Selbst im Wissen, dass der eine oder andere Mann das Angebot sofort annehmen würde. Warum also findet diese Diskussion anders herum statt und zwischen mir und den nächsten Frauen und Männern lag ständig eine Lücke.

Ich mag nicht klagen, aber wenn mich in den letzten Jahren etwas gestört hat, dann diese Schizophrenie der Gesellschaft. Meine Kunden waren Anwälte, Piloten, Manager, Finanziers und Ärzte. Ganz normale Männer die einfach ab und zu eine Ausflucht auf Zeit gesucht haben. Danach kehrten sie wieder in ihr angestammtes Leben zurück und ich glaube um ehrlich zu sein nicht, dass es ihnen oder der Beziehung zu ihren Partnerinnen geschadet hat, sich einmal auszuleben. Ganz im Gegenteil, oft habe ich einfach nur Dankbarkeit gespürt, dass ein Mann auch wieder einmal ein Mann sein durfte und sich das nehmen konnte wozu er Lust hatte.
Seien wir doch ehrlich zueinander, welcher Mann wünscht sich nicht eine Partnerin die auf der Strasse ein Engel und im Bett eine Hure ist. Leider ist es aber so, dass dieser Traum nicht immer aufgeht. Natürlich gab es ab und zu die Situation, dass ein Mann die Trennung zwischen dem Besuch bei mir und seiner Frau nicht hingekriegt hat. Zumindest nicht von Anfang an, aber in aller Regel waren sich die Männer doch bewusst was sie bei einem Date mit einer Escort erwartet. Natürlich ist Diskretion dabei vorausgesetzt, aber ein schlechtes Gewissen oder gar eine Tabuisierung?

Wie weit diese Tabuisierung geht, erkennt ihr daran, dass ich in 10 Jahren nur ein einziges mal einen Kunden hatte, der auf Empfehlung kam. Er hatte meine Visitenkarte von einem Kollegen erhalten. Ihr denkt nun was soll das denn? Weiterempfehlung einer Escort, das geht ja gar nicht. Nun, während Messezeiten wie der IAA, hätte ich wahrscheinlich ganze Unternehmen ins Unglück stürzen können, wenn ich ein Organigramm der Manager aus einer Firma gezeichnet und veröffentlicht hätte, die mich in aller Verschwiegenheit angerufen haben. Nein, das würde ich nie machen, trotzdem ergaben sich interessante Zusammenhänge.

Nun meine Lieben, ich weiss nicht ob ich euch einen Eindruck geben konnte, aber ich tat mich mitunter schwer, dass ich meinen Job und meine Erfolge verstecken musste. Könnt ihr das nachvollziehen? Wie ergeht es euch dabei? Ich meine es gab Zeiten in denen Mätressen und Kurtisane salonfähig waren. Ist der Beruf eines Anwalts gesellschaftlich wirklich so viel wertvoller als der Beruf einer Escort? Die Stundensätze lassen sich ja vergleichen;-)

Wie immer freue ich mich auf euer Feedback!

Kiss,
Jasmina

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